Öffentliche Ausschreibungen in Mexiko


29.10.2018: Nach zwei schwachen Jahren steigen die öffentlichen Investitionen in Mexiko 2018 wieder an. Damit kommt auch die öffentliche Vergabe in Schwung. Öffentliche Ausschreibungen in Mexiko leiden teils an mangelhafter Vorbereitung, Verzögerungen und unerlaubten Absprachen. Doch es gibt interessante Projekte und Strategien für erfolgreiche Bewerbungen. Allgemein ist es für deutsche Unternehmen nicht einfach, sich erfolgreich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen. Im Fall von einfachen Produkten führen Absprachen oft dazu, dass bereits etablierte Unternehmen den Zuschlag bekommen. Aber auch bei technologisch anspruchsvoller Ausrüstung ist es wichtig, schon vor der eigentlichen Ausschreibung auf dem Markt präsent zu sein. "Eine eigene Repräsentation oder die Vertretung über ein anderes Unternehmen kann helfen, frühzeitig von neuen Projekten zu erfahren und den Kontakt zu den ausschreibenden Stellen aufzunehmen", sagt Gastón Esquivel, Mitinhaber der Kanzlei Cuesta LLaca Esquivel Abogados in Mexiko-Stadt.
 

Wichtigster Einzelposten in der Investitionstätigkeit bleibt der staatliche Ölkonzern Pemex. Auf ihn entfallen 2018 alleine rund ein Drittel der Mittel. Das Geld fließt unter anderem in die Modernisierung der sechs Raffinerien des Landes. Daneben ist der Bereich Kommunikation und Transport stark vertreten. Hier schlagen die Modernisierung verschiedener Autobahnen und der Bau eines neuen Flughafens in Mexiko-Stadt zu Buche. In der Elektrizitätswirtschaft werden zurzeit eine Müllverbrennungsanlage und neue Gas-/Dampf-Kraftwerke gebaut. Zwei neue Stromtrassen im Norden und im Zentrum des Landes befinden sich in Ausschreibung. Die bedeutendsten ausschreibenden Stellen sind zum einen die Bundesministerien, darunter Verkehr (Secretaría de Communicaciones y Transportes), Gesundheit (Secretaría de Salud) und Energie (Secretaría de Energía). Zum anderen schreiben staatliche Unternehmen und Behörden direkt aus, darunter neben Pemex die Elektrizitätsgesellschaft CFE (Comisión Federal de Electricidad), die Wasserbehörde Conagua (Comisión Nacional del Agua), die Elektrizitätsbehörde Cenace (Centro Nacional de Control de Energía) und die Behörde für Kohlenwasserstoffe CNH (Centro Nacional de Hidrocarburos). Im Gesundheitsbereich sind die beiden staatlichen Sozialversicherungen IMSS (Instituto Mexicano del Seguro Social) und ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado) von großer Bedeutung.
 

Allgemein kann die Vergabe in drei Formen erfolgen: als Direktvergabe an ein Unternehmen, als Ergebnis einer Einladung an mehrere Firmen oder als offene nationale oder internationale Ausschreibung. Welche Form die ausschreibende Stelle wählt, hängt davon ab, wie viele Firmen potenziell das betreffende Produkt oder die Dienstleistung anbieten können. Dies wird zuvor anhand von Marktstudien analysiert. Das umfassendste Informationsangebot bietet das Portal Compranet. Dort werden alle öffentlichen Bundesausschreibungen bekanntgegeben. Zudem bietet Compranet Erklärungen zum Bieterverfahren und den rechtlichen Bedingungen. Daneben veröffentlicht auch das mexikanische Bundesgesetzblatt DOF (Diario Oficial de la Federación) sämtliche Ausschreibungen auf Bundesebene. Die einzelnen Ministerien, Institutionen und Staatsunternehmen geben Ausschreibungen auch auf ihren Internetseiten bekannt und bieten vielfach erweiterte Informationen dazu. Für Public-Private-Partnerships (PPP) verfügt die Förderbank Banobras über das Portal Mexico Projects Hub. Dort listet sie sämtliche PPP mit detaillierten Informationen zur verantwortlichen Stelle, Fortschritt und - im Fall schon vergebener Vorhaben - dem privaten Projektpartner auf. Diese Informationen werden immer bedeutsamer, da der mexikanische Staat neue Vorhaben in der Regel als PPP ausschreibt.
 

Trotz der Widrigkeiten haben deutsche Hightechprodukte gute Chancen, darunter vor allem Bauausrüstung, Umwelt- und Medizintechnik sowie Pharmazeutika. Es ist hilfreich, wenn sich die Produkte schon in anderen Projekten im Land bewährt haben. Um nach Vertragsabschluss keine Überraschungen zu erleben, rät Gastón Esquivel dazu, die einzugehenden Verpflichtungen anhand der Ausschreibungsunterlagen genau zu prüfen. Auch sollten alle formalen Schritte im Bewerbungs- und Ausführungsprozess streng eingehalten werden, um spätere Klagen der Mitbewerber zu vermeiden.
 

Quelle: Germany Trade and Invest - Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH

Ihr persönlicher Kontakt Steffen Müller
Telefon: 089/5116-3172
E-mail schreiben